Archiv für den Tag: 16. November 2011

Alles auf Horst!

Vorstellung des Protagonisten

So (oder so ähnlich) lautete das Motto am gestrigen Dienstag Abend, als im Anno 1904, dem Vereinsheim des SC, der Vorstand Sport & Kommunikation zu Gast war.
Auch wenn es mir nur vergönnt war der ersten Halbzeit beizuwohnen, war es wieder mal höchst interessant und aufschlussreich den Ausführungen Horst Heldts zu lauschen.

Nach einer kurzen Einführung des Kassierers, mit der Bitte sich auf Fragen zu beschränken, die unmittelbar mit dem Aufgabenfeld des Managers zu tun haben (der dezente Hinweis auf A. Streit wurde von Horst Heldt mit einem süffisanten “den wollte ich erst mitbringen” beantwortet), thematisierte die erste Frage – wie nicht anders zu erwarten – die (un-?)mögliche Vertragsverlängerung von Jefferson Farfan.
Insgesamt bezeichnete Horst Heldt das Thema als “unangenehm”, da er als Manager auf dem schmalen Grat zwischen Vertragsverlängerung inkl. der hohen Kosten (“Farfans letzter großer Vertrag”) und dem Wohle des Vereins wandele.
Sehr ausführlich beleuchtete er die verschiedenen Seiten der Medaille. Das Pro auf Seiten des S04 ist ganz klar die sportliche Wichtigkeit, aus meiner bescheidenen Sicht liegt sie sogar noch über der des Neubauern, das Contra, wenn es denn eins gibt, das Geld. Wenn es sogar so weit kommen sollte, dass die russische Liga Interesse bei Jefferson Farfan weckt, wird der S04 keine Chance haben. Ähnlich dürfte es ja schon bei KevKu22 gewesen sein, wobei ich in diesem Fall nicht davon ausgehe, dass von Seiten Felix Magaths auch nur das kleinste Fünkchen Interesse vorhanden gewesen ist.

Soweit also nichts neues.

Der Kollege von Sky bei der Arbeit ;-)

Spannender wurde es, als HH Transfersgespräche aus Sicht der Spieler zu erläutern versuchte.
Angefangen bei den Beratern, die aus seiner Sicht gar nicht so unnötig sind, wie es gern dargestellt wird, da es in den Verhandlungen zum Teil ziemlich hoch herginge. Wären die Spieler persönlich beteiligt, könnte nach direkten Verhandlungen mit dem Spieler – sogar im Falle einer Verlängerung –  “nachhaltig was hängenbleiben”. Jefferson Farfan verhandelt also gar nicht selbst, sondern lässt sich die Ergebnisse von seinen Beratern präsentieren. Man würde zwar auch direkt miteinander sprechen, allerdings ginge es da weniger um Zahlen, als um die sonstigen Vorzüge, die ihm ein Verbleib auf Schalke bringen würden. Als Nachteil dieser Konstellation fügte er an, dass er mit Menschen verhandeln muss, die völlig emotionslos in die Gespräche gehen, da ihnen jegliche Vereinsbindung abgeht.

Für Jefferson Farfan und die damit verbundene Hängepartie hatte er in sofern Verständnis, als dass es sein “letzter großer Vertrag” (s.o.) werden soll, und dieser gut überlegt sein will. Und so lange Horst Heldt nicht das Gefühl hat, dass er von JFs Beratern hingehalten wird, sondern der S04 in der handelnden Position ist, kann er damit leben. Die Geschichten von Beratern, die Entscheidungen im Alleingang träfen, sei eh nur ein, von den Spielern (er war ja schliesslich auch mal einer)  gern genommenen Vorwand.
Berater verhandelt, Spieler entscheidet. Wobei die Entscheidung selbst, wie so viele im Leben, die der Prioritäten sein wird. Geld oder Wohlfühlen? Geht es nur ums Geld, hat der S04 wohl keine Chance. Beim “Wohlfühlfaktor” hingegen, wäre der Verein in einer ganz aussichtsreichen Position. Sicher scheint nur eines: die Situation soll noch in diesem Jahr geklärt werden. Möglich soll es übrigens auch ohne das sein, was die Presse gerne Ultimatum nennt, zumindest so lange, wie von der Gegenseite “überlegt” und nicht “hingehalten” wird. Allerdings kann man “noch in diesem Jahr” natürlich als ein solches interpretieren.
Der S04 hat dem Jeff jedenfalls einen 3-Jahresvertrag angeboten, wobei Horst Heldt Farfans derzeitige Vorstellungen als “für den S04 im Augenblick unvernünftig” bezeichnete.

Blick aus der letzten Reihe

Und alles was ich mir bis hierhin zusammengetippt habe, ist mittlerweile eh Makulatur, nachdem bekannt wurde, dass sowohl Jefferson Farfan, als auch Benni Höwedes mit einer “Teilruptur des Außenbandes im Knie” von den Länderspielen zurückgekommen sind. Gibts diese schweren Verletzungen eigentlich nur im Doppelpack?

Eines der weiteren  Themen, die ich noch mitbekommen habe,  sei noch abschließend erwähnt: Die Wertschätzung eines Joel Matip. Heldt war deutlich anzumerken, dass ihm die Unmutsbekundungen gegenüber einem derart talentierten Spieler schwer gegen den Strich gingen.

Und wozu? Zu Recht!!! ;-)

Alles in allem ein gelungener Abend bei dem mir mal wieder aufgefallen ist, dass Horst Heldt sich mit seinem Job scheinbar identifiziert. Nicht nur Dienst nach Vorschrift, sondern alles mit dem Versuch die Zusammenhänge im Club zu verstehen und das ohne sofort anbiedernd zu wirken. Selbst bei der Diskussion der augenblicklichen, medialen “Gewaltdebatte” schien ihn die Sichtweise vieler Anwesenden, dass die gesamte Diskussion etwas zu hysterisch geführt wird, kurz zu überraschen (das hat übrigens meinen Eindruck der letzten Wochen verstärkt, dass ein Großteil der Fußballfunktionäre “in seiner eigenen Welt” lebt), um kurz darauf den Anschein zu erwecken, dass er – ohne direkt seinen Standpunkt auf zugeben – auch in dieser Frage durchaus lernfähig sein könnte.

Posted from Gelsenkirchen, Nordrhein-Westfalen, Germany.

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